Neues Buch – MEIN EMMENTAL

Bereits sind es zwölf Jahre her, seit mein erstes Buch «Mueterland», im Untertitel «Heimat in Geschichten», erschienen ist. In all den Jahren seither habe ich weitere Geschichten und Lieder geschrieben. Mein Sohn Michu hat eine Auswahl meiner Geschichten und ein paar dazu passender Lieder getroffen und sie in eine sinnvolle Reihenfolge gestellt. Mit Angelia Schwaller vom Zytglogge Verlag habe ich eine wunderbare, kompetente Lektorin gefunden.
Und jetzt ist es soweit: Mitte September erscheint unter dem Titel «Mein Emmental» mein zweites Buch. Pedro Lenz hat dazu ein Vorwort und Michu Heiniger ein Nachwort geschrieben.

Vorwort von Pedro Lenz

Im Emmental aufgewachsen und eingewachsen

Der Musiker und Poet Tinu Heiniger, von dem es nicht selten heisst, er sei der Doyen der Schweizer Liedermacher, ist ganz nebenbei gesagt auch ein hervorragender Erzähler. Man hängt ihm an den Lippen, wenn er nach Konzerten, auf langen Autofahrten oder am Telefon Geschichten erzählt, Geschichten aus seinem Leben oder Geschichten aus dem Leben anderer. Sein Fundus scheint unendlich und man hört ihm immer gerne zu, weil er einen einmaligen Erzählrhythmus hat. Diesen Rhythmus, den man heute auch gerne Flow nennt, dürfen wir auch in diesen niedergeschriebenen Geschichten geniessen. Tinu Heiniger hat nämlich die Gabe, seine mündliche Unmittelbarkeit im geschriebenen Text beizubehalten. Das hat wohl damit zu tun, dass er nicht dem verbreiteten Irrglauben folgt, die Schreibsprache müsse gescheiter klingen als die gesprochene Sprache. Wir können Heinigers Geschichten lesen, als hörten wir seinen Liedern zu, mit der Neugier der Kinder, mit beinahe geschlossenen Augen und voller Hingabe.
Heiniger kommt aus Langnau im Emmental. Dort ist er aufgewachsen und beinahe ist man versucht zu sagen, dort sei er eingewachsen. Zwar lebt er schon seit vielen Jahren im Aargau, aber in seiner Sprache, in seinen Erzählungen und in seinen Liedern ist das Emmental mit seiner urwüchsigen Landschaft und seinen nicht weniger urwüchsigen Bewohnerinnen und Bewohnern omnipräsent. Und wie so viele, die in einem Dorf aufgewachsen sind, hat Tinu Heiniger einen weiten Horizont. Das Dorfleben verlangt einem einiges ab. Toleranz, Anpassungsfähigkeit, Schlauheit und manche andere Eigenschaft, die einen später im Leben weiterbringt, lassen sich in der dörflichen Gemeinschaft nicht nur bestens erlernen, sie sind dort gleichsam überlebensnotwendig. Im Dorf seiner Kindheit, füllte sich der feinsinnige und manchmal auch geplagte Bub seinen poetischen Rucksack. Das geschah unbewusst, beim Sport, in der Schule, in der Kirche, in der Familie oder bei seiner über alles geliebten Musik. Und wie alle wahren Poeten kann Heiniger ein Leben lang von dieser kindlichen Prägung zehren.
Wir Fans, die schon den jungen, aufmüpfigen, oft wütenden Rebellen gekannt haben, spüren im Werk des älteren, milderen und weiser gewordenen Tinu Heiniger noch immer seine typische Ausdrucksstärke. Denn auch wenn er versöhnlicher geworden ist, spricht uns in diesem Buch die gleiche Poesie und die gleiche Unmittelbarkeit an, die uns in seinen ersten Liedern so berührt hat.